• Gelb vor Glück - Platz für Kind und Kegel

    31.07.2009, Beitrag von/aus: Einfamilienhäuser bauen!

    Beispielhaft auf die Bedürfnisse seiner Bewohner, eine fünfköpfige Familie, maßgeschneidert ist diese kompakte Stadtvilla: Ein pragmatischer Grundriss, energiesparende Bauweise kombiniert mit alltagstauglichen Materialien und sonniger Ausstrahlung.


    Eine neue berufliche Herausforderung war es, aufgrund derer es Stefan Gust und seine Familie von Hamburg in den Süden Deutschlands verschlug. Seit bereits 15 Jahren berät Stefan Gust Bauherren bei der Planung ihrer eigenen vier Wände. 2002 entschied er sich, das Musterhaus Mannheim des Nordhorner Familienunternehmens Gussek Haus zu betreuen. „Als ich das Angebot von Gussek Haus bekam, haben meine Frau und ich 24 Stunden darüber nachgedacht und haben dann beschlossen »auszuwandern«. Meine Frau kommt aus der Pfalz, wir sind also – sozusagen – in ihre Heimat zurückgezogen,“ erzählt Stefan Gust, „dass unser neues Zuhause dann ein Gussek Haus werden würde, lag dabei natürlich auf der Hand.“

    Wie bei vielen Bauvorhaben seiner Kunden auch, musste sich der erfahrene Berater bei seiner eigenen Planung ebenfalls mit ganz gewöhnlichen Problemen herumschlagen. So waren die gestalterischen Möglichkeiten auf dem Grundstück, für das er und seine Familie sich entschieden hatten, von Amts wegen sehr eingeschränkt. „Ich hätte gerne größer gebaut und mit Satteldach – ganz klassisch,“ erzählt der Bauherr rückblickend. Auch die Grundrissform, und somit die Größe des Neubaus, sowie die Farbe von Putzfassade und Fensterrahmen waren im Bebauungsplan strikt festgelegt, sodass als einzige individuelle Variationsmöglichkeiten die Fassadenaufteilung und natürlich die Organisation des Hausinneren verblieben.

    Neben den äußeren Rahmenbedingungen gab es natürlich auch innere »Zwänge«: Auch die einzelnen Mitglieder der fünfköpfigen Familie hatten natürlich konkrete Vorstellungen und Wünsche, was ihr zukünftiges Zuhause betraf. Der Findung einer guten, pragmatischen aber auch ästhetischen Lösung, dieser Aufgabe widmete sich der Bauherr höchstpersönlich – schließlich ist die Planung der Einfamilienhäuser sein täglich Brot und so machte er sich mit Engagement an die Planung vom eigenen neuen Traumhaus . Obwohl Stefan Gust gerne anders und vor allem größer gebaut hätte, fällt das Haus, dank der zweigeschossigen Bauweise, heute dennoch recht geräumig aus. Der von ihm entworfene Grundriss sieht auf den ersten Blick eine recht konventionelle Aufteilung der Nutzungen vom Keller bis Dach vor: Das Eingangsgeschoss bietet Wohnen, Essen und die Küche nebst Abstellraum und einer, durch eine Dusche erweitere, Gästetoilette. Im Keller finden sich neben den zu erwartenden Abstell- und Technikräumen dank einer Abböschung des Grundstückes an der Südseite zwei natürlich belichtete, helle Zusatzräume, die als Gäste- und Arbeitszimmer genutzt werden und durch ein Gästebad ergänzt werden. „Meine Mutter kommt jedes Jahr etwa drei Wochen zu Besuch – da braucht sie Platz und Rückzugsmöglichkeiten,“ erklärt der Bauherr.

    Im Obergeschoss finden sich die privaten Schlafräume der Gusts. Die vier Schlafzimmer sind genau gleich groß, zwar kompakt in den Abmessungen aber im Endeffekt ausreichend wie der Bauherr heute befindet. Absichtlich fiel auch das Familienbad vergleichsweise klein aus. Das Duschbad im Erdgeschoss sorgt für zusätzliche Kapazitäten zur Rushhour. Was auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen mag, ist bei näherer Betrachtung intelligent geplant, denn dieser Grundriss weist neben einem feinen Sinn für den praktischen Familienalltag auch ein hohes Maß an Flexibilität auf. Als Vater von drei Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren weiß Stefan Gust, das nichts so sicher ist, wie der ständige Wandel. So haben die Gusts bei der Planung nicht nur ihre momentanen Wohnwünsche analysiert, sondern sich auch Fragen nach künftigen Bedürfnissen gestellt. Hier trumpft das Haus mit dem Flexibilitätsass auf: Die ähnlich großen Schlafzimmer lassen vor allem im Zusammenhang mit den zahlreichen, über die Geschosse verteilten Bädern eine besonders problemlose Umnutzung zu. So könnte zum Beispiel aus einem Gästezimmer im Untergeschoss auch ein vorübergehender Rückzugsort für Teenager werden – oder für ruhebedürftige Eltern. Aber selbst wenn die Kinder irgendwann mal ausgezogen sind, wird man bei den rund 150 überirdischen Quadratmetern wohl nicht das Gefühl bekommen, das Haus sei völlig überdimensioniert. „Es ist genau richtig bemessen, um an Feiertagen auch mal den Großfamilienansturm aufzunehmen“, bestätigt der Bauherr.

    Einen Blick noch ferner in die Zukunft zu werfen, haben sich die Gusts aber gespart. Das wäre, nach Meinung des Experten, eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten geworden. Denn wer kann heute schon mit Sicherheit sagen, wie, wo und in welchem gesundheitlichen Zustand man seinen Lebensabend verbringen wird. „Im Zweifelsfall, wenn eine barrierefreie Wohnung nötig würde, würden wir das Erdgeschoss einfach umbauen“, meint Stefan Gust und fährt fort: „Die Holzfertigbauweise lässt uns in dieser Hinsicht ja wirklich alle Freiheiten und ein Badezimmer mit bodengleicher Dusche ist bereits eingebaut.“ In vorauseilendem Gehorsam ein momentan unnötiges Zusatzzimmer im Erdgeschoss bereitzuhalten, entspräche nicht dem Stil des Hauses. Individuell auf die persönlichen Vorlieben zugeschnitten, ist auch die Haustechnik. Ungewöhnlich für moderne Einfamilienhäuser: Das Haus wird über Heizkörper mit Wärme versorgt und nicht über eine, inzwischen fast übliche, Fußbodenheizung. „Meine Frau findet Fußbodenheizungen unangenehm“, erklärt Stefan Gust. Die Alternativen wurden verglichen, unter anderem auch unter Kostenaspekten und so fiel die Entscheidung schließlich auf den Klassiker. Überdurchschnittlich energiesparend ist das Gebäude trotzdem aufgrund der extrem gedämmten und dichten Haushülle in Holzfertigbauweise, die kaum Wärme entweichen lässt – und wo praktisch nichts verloren geht, da muss auch nur wenig neue Wärme produziert werden. So schaffte Stefan Gust mit seinem Entwurf schließlich mehrere Spagate zugleich: Zwischen repräsentativem Wohnsitz und alltagstauglichem Familienhaus, zwischen aktuellen, individuellen Ansprüchen und langfristigen Rahmenbedingungen – und obwohl er eigentlich ganz anders bauen wollte wohnt er heute in einem Haus, aus dem er nie wieder ausziehen möchte.


    [ zurück zur Übersicht ]