• Klaviatur des Schönen

    12.12.2008, Beitrag von/aus: mein schönes zuhause 3

    Auch wenn der lang gestreckte Bau von der Straße her erst einmal auf nichts Spektakuläres hindeutet, beschleicht einen angesichts der opulenten Auffahrt und der beiden Eingangsbereiche in Gestalt knalligfarbener, vorgesetzter Windfang-Würfel schon die Vermutung, dass dieses Haus allerhand Überraschungen bereithalten könnte. Das organisierte Understatement verwandelt sich denn auf der Gartenseite auch in sein blankes Gegenteil. Hier beherrschen große Glasfronten das Geschehen, mit Fenstern, die sich im oberen Geschoss bis in die Dachschräge hineinziehen, schönes Oberlicht spendieren und ein Wintergarten-Feeling in die Etage unterm Dach holen. Ein verglaster Wintergarten ragt auf die Terrasse heraus und fungiert als zweites Wohn zimmer für Sonnen anbeter. Die angrenzende Wand markiert den Übergang zum Tonstudio in der zweiten Haushälfte und dientzugleich als Brüstung für die weitläufige Dachterrasse.

    Dieses Haus kennt keine Dissonanzen, um mal in der Sprachwelt des hier wohnenden Musikprofis zu bleiben. Es mutet eher an wie die wohlklingende Komposition von hohen und tiefen Tönen, von Laut und Leise, von Allegro und Andante. Denn genau das, genau diese Menge von Gegensätzlichkeiten, an denen ein beliebiger Entwurf gescheitert wäre, vereinbart das Haus scheinbar mühelos. So vereint es raffiniert Begegnung und Rückzug, Schutz und Öffnung. Es ist ein Domizil, das ebenso repräsentativ wie behaglich ist. Ein Haus, das dem turbulenten Alltag einer Familie mit zwei Kindern alle Freiheiten einräumt und gleichermaßen einem Musiker ungestörtes, abgeschottetes Arbeiten zusichert. Ein Entwurf, der dem park ähnlichen Grundstück seine Referenz er weist und es zugleich mit neuen Qua litäten aufwertet. Die Hausherren hatten ihre Vorstellungen präzise und erwartungsvoll formuliert, die Architekten von GUSSEK HAUS haben sich ambitioniert und ideenreich in die Planung und die Umsetzung des Projekts gekniet. Bei einer Hausbreite von 34 Metern erübrigt sich eigentlich die Frage, ob es für alles und jeden genügend Raum gibt. Gibt es, natürlich.

    Ein Blick auf das Raumkonzept und die Quadratmeter zeigt: Allein der Wohnbereich misst 70 Quadratmeter. Wird dann noch die Schiebetür zur fast 30 Quadratmeter großen Küche geöffnet oder die von der Küche zum Wintergarten, findet ein Wettbewerb zwischen luxuriöser Größe und atemberaubenden Blickachsen statt.

    In das Obergeschoss führt eine geradlinige Treppe, die von mehreren Dachflächenfenstern erhellt wird. Der Elterntrakt besteht aus Schlafzimmer mit Ankleide und Wellnessbad. Auch bei den beiden Kindern wurde nicht an guten Ideen gespart. Jedes der jeweils 22 Quadratmeter großen Zimmer wird von breiten, fast bodentiefen Panoramafenstern mit gläsernen Ausläufern bis ins Dach erhellt. Die Trennung der zwei Zimmer nimmt ein begehbarer Kleiderschrank vor, der von jeder Seite separat zugänglich oder abschließbar ist.

    Die Welt der Musik ist im Nebenhaus beheimatet. Sie ist über einen separaten Eingang erreichbar. Um der guten Akustik willen wurde das 130-Quadratmeter-Studio etwas abgesenkt ohne deshalb die Firsthöhe zu verändern. Der Keller verfügt über weitere 150 Quadratmeter. So wie gute Musik Körper und Seele gut tut, tut es auch gute Architektur. Wie sagt doch der große Frank Lloyd Wright: Ich weiß, dass Architektur Leben ist oder zumindest Gestalt gewordenes Leben…"


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