• Wohn-Wintergärten - Gläsernes Wohnzimmer

    11.12.2009, Beitrag von/aus: umbauen und modernisieren 1-2/2010

    Bei einem Haus kann der nachträgliche Anbau eines Wintergartens Wunder wirken. Dabei sind Wintergärten längst kein Luxus mehr: Aufwand und Kosten halten sich in Grenzen, erst recht, wenn man das Mehr an Wohnwert einkalkuliert.


    Für 365 Tage im Jahr
    Nach Jahrzehnten des Experimentierens hat sich herausgestellt, dass ein echter Wohnwintergarten fürs ganze Jahr anders konzipiert und gebaut werden muss. Angefangen bei der Form: Weit aus dem Kernhaus herausragende Wintergärten erwärmen sich schnell, weil sie mehr Sonnenstrahlen abbekommen, kühlen allerdings nachts und im Winter auch schnell aus, da sie relativ viel Außenfläche im Verhältnis zum Raumvolumen besitzen. Je mehr man sie in den Baukörper mit hineinzieht, sie ins Haus integriert, desto weniger setzt man sich den Klimaspitzen aus. Von Bedeutung sind ferner Größe und Neigung der Dachfläche. Die hoch stehende Sommersonne macht aus einem Glasbau mit flachem Dach leicht einen heißen Wintergarten. Steil geneigte Dächer hingegen reflektieren die Strahlen teilweise, lassen nur die schräg einfallenden Strahlen der Wintersonne ungehindert hindurch. Klimatisch günstiger ist ohnehin ein hoher Raum, der sich über zwei Geschosse erstreckt. Hier kann zum Lüften der Kamineffekt ausgenutzt werden - kühle Luft strömt von unten herein, erwärmt sich und entweicht oben. Im Sommer wird man den unteren Teil nutzen, im Winter ist der obere beliebter, weil besser temperiert.

    Die Südausrichtung gilt vielen Bauherren als die naheliegenste, hier sind die Wärmegewinne übers Jahr am Größsten. Das stellt allerdings hohe Anforderungen an Verschattung und Lüftung. Im Osten profitiert man von den ersten Sonnenstrahlen. Hier stellt die Überhitzung keine Gefahr dar, eher noch im Westen, da hier die Strahlen der Abendsonne auf das bereits erwärmte Haus treffen. Im Norden werden dagegen bevorzugt energetische Wintergärten angelegt, weil dort die Abstrahlverluste (Transmissions-Wärmeverluste) am höchsten sind.

    Kleine Materialkunde
    Sind Bauherren auf einen Wohnwintergarten aus, dürfen sie am Material nicht sparen, angefangen beim Glas - gute Wärmedämmwerte vorausgesetzt. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdienen die Profilrahmen, die ebenfalls isolierend wirken müssen. Um die Tragfähigkeit von Holz zu garantieren und der Gefahr des Verziehens entgegenzuwirken, werden in der Regel Leimbinder verwendet, also zu längeren Balken verleimte Bretterlagen. Der Schwachpunkt von Holzrahmen ist immer noch die Witterungsbeständigkeit. Circa alle vier Jahre benötigt das Holzprofil außen einen neuen Schutzanstrich. Daher wird es mittlerweile gerne mit einer Aluminiumschale kombiniert. An sich ein guter Wärmeleiter, kann der Rahmen gegen Wärmeverluste mit zahlreichen Kammern versehen und ausgeschäumt werden. Wegen seines geringen Gewichtes empfiehlt es sich für Wintergärten.

    Kunststoffprofile benötigen benötigen einen Kern aus Stahl oder Aluminium, sind preiswerter, isolieren jedoch nicht so gut wie Holz. Gegen Einbrecher schützt man sein Glas-Haus am besten mittels abschließbarer Griffoliven. Wichtig für das spätere Raumklima ist darüber hinaus die Speichermasse. Massiver Bodenbelag - Naturstein, Keramik, Klinker usw. - und angrenzende Wände aus massiven Baustoffen laden sich mit Sonnenwärme auf, die sie über die nächsten Stunden wieder abgeben, was hilft, extreme Temperaturschwankungen zu mindern.

    "Klimakatastrophe" vermeiden
    Schattenspender sind zu manchen Zeiten im Wintergarten fast schon lebenswichtig, abgesehen von einem Nordwintergarten. Als besonders effektiv haben sich außen liegende Systeme erwiesen, die robust, UV-beständig und wetterfest sein müssen. Innen angebrachte Jalousien sind nicht so effektiv. Ein Abstand von fünf Zentimetern zwischen Glas und Sonnenschutz verhindert einen Hitzestau, der zu thermischen Spannungen in den Scheiben führen kann. Teuerste Variante ist die Verschattung zwischen den Scheiben - im Scheibenzwischenraum.

    Heizung und Lüftung
    Der angesprochene Kamineffekt wird unterstützt, indem Klappen im Boden- und Dachbereich eingebaut werden, die sich von Hand oder elektrisch öffnen und schließen lassen. Klimaanlagen, die im oberen Bereich die heiße Luft abziehen und von außen durch den Erdboden kühle Frischluft hereinführen, sind die passende Ergänzung.

    Rund 270 Tage im jahr werden Wintergärten im Durchschnitt genutzt. Mit einer Heizung kann man diesen Zeitraum auf fast das ganze Jahr ausdehnen. Ginge es allein um den Wohlfühlfaktor, müsste es eine Heizung mit höherem Strahlungsanteil sein, etwa eine Wandfächen- oder Fußbodenheizung.

    Praxis-Tip:
    Zwei Kennzahlen, der Ug-Wert und der g-Wert dienen zur Bewertung der Eigenschaften von Isolierglasscheiben.

    Der Ug-Wert ist das Maß, welches den Wärmedurchgang von innen nach außen pro Quadratmeter Scheibenfläche angibt. Der Wert bemisst also den Energieverlust der Scheibe von innen nach aussen. Die Eigenschaft der Scheibe, die Wärme (Heizenergie) im Raum zu halten, ist umso besser, je niedriger der Ug-Wert ist. Eine positive Beeinflussung des Wertes ergibt sich durch die Befüllung des Scheibenzwischenraumes mit Edelgasen wie Argon oder Krypton sowie die Bedampfung der raumseitigen Scheibe mit einer unsichtbaren Metalloxidbeschichtung.

    Der g-Wert bezeichnet den Gesamtenergie-Durchlassgrad in Prozent, bezogen auf die Sonnenenergie, welche auf die Glasscheibe trifft. Er beschreibt also den Anteil der Sonnenenergie, die durch das Glas von aussen nach innen hindurch kann. Je höher der g-Wert, desto mehr Sonnenenergiegelangt in den Raum.




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